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Paclitaxel-beschichte Devices bei PAVK: Entwarnung aus Deuts

Wie gefährlich oder ungefährlich sind Paclitaxel-beschichtete Stents und Ballons? In einer Versorgungsforschungsanalyse auf Basis deutscher Krankenkassendaten war die Langzeitsterblichkeit nicht erhöht.

Die Diskussionen um die Sicherheit von Paclitaxel-beschichteten Stents und Ballons für periphere Interventionen dauert jetzt schon fast ein Jahr. Angestoßen durch eine Metaanalyse randomisierter Studien, die eine deutlich erhöhte Sterblichkeit im Langzeitverlauf fand, gab es einen Daten- und Interpretationsreigen, der einige ziemlich peinliche Versäumnisse auf Herstellerseite aufgedeckt hat, der aber, was die eigentliche Fragestellung angeht, viele etwas ratlos zurücklässt.

In den USA wurde besonders intensiv diskutiert. Dort hat die FDA einen Konsultationsprozess initiiert und eine eher kritische Haltung eingenommen, die unter anderem dazu führte, dass Patienten dort über eine erhöhte Sterblichkeit bei Paclitaxel-Devices aufgeklärt werden müssen. Studien zu den Produkten sollen aber weiter laufen, so die US-Behörde, auch um bessere (Langzeit-)Daten zu generieren. In Deutschland empfiehlt das BfArM ebenfalls eine Aufklärung der Patienten, ist sonst aber zurückhaltender als die FDA, was die Interpretation der Daten angeht.

Abrechnungsdaten der BARMER ausgewertet
In diese Gemengelage platzt jetzt eine neue Publikation von Dr. Eva Freisinger, Prof. Dr. Holger Reinecke und Kollegen von der Kardiologie am Universitätsklinikum Münster. Die Ärzte haben Abrechnungsdaten der BARMER ausgewertet, bei der rund 12 Prozent aller Menschen in Deutschland krankenversichert sind.

Gesucht waren alle Versicherten, die zwischen 2007 und 2015 erstmals eine endovaskuläre, periphere Intervention über sich ergehen ließen. Das waren knapp 65.000 mit im Abfragezeitraum insgesamt gut 107.000 peripheren Interventionen. 23.000 davon erfolgten unter Einsatz eines medikamentenbeschichteten Devices. Nachverfolgt wurde bis Ende Dezember 2017, also längstens elf Jahre.

Kein Zusammenhang mit der Langzeitsterblichkeit
Das Ergebnis lässt sich rasch zusammenfassen: Die Wissenschaftler fanden keinen statistisch signifikanten Zusammenhang in irgendeiner Richtung zwischen Paclitaxel-Devices und Langzeitsterblichkeit. Blickt man etwas tiefer in die Daten, findet sich bei den Paclitaxel-beschichteten Stents nach Adjustierung für kardiovaskuläre Risikofaktoren ein Trend zu erhöhter Sterblichkeit ab dem vierten Jahr, der aber auch im längeren Verlauf nie das Signifikanzniveau erreicht. Bei den Paclitaxel-beschichteten Ballons war die Sterblichkeit im ersten Jahr nach Intervention sogar signifikant geringer, auch dieses Signal verschwand im Verlauf aber wieder.

Ist das jetzt eine Entwarnung? Die Autoren weisen auf die mit 41,9% bei einem Follow-up von im Mittel 7,6 Jahren sehr hohe Sterblichkeit der BARMER-Kohorte hin, die damit zusammenhängt, dass über vier von zehn Patienten eine kritische Extremitätenischämie hatten. Das ist ein deutlich anderes Kollektiv als in der Metaanalyse, die die Diskussionen angestoßen hatte. Dort lag die Mortalität in der Größenordnung von 10 Prozent nach vier bis fünf Jahren. Das könnte den Unterschied erklären.

Fachgesellschaft DGA hält Mortalitätserhöhung für „widerlegt“
Die Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA) lehnt sich bei ihrer Interpretation der Ergebnisse etwas weiter aus dem Fenster. Die „damals gezeigte, erhöhte Mortalität“ sei durch die Daten aus Münster „widerlegt“, so die DGA, „zumindest für Deutschland“. Die Fachgesellschaft plädiert in ihrer Pressemitteilung für eine „Rehabilitierung der erfolgreichen Therapie.“

In den USA, wo eine Medicare-Versorgungsforschung vor einigen Monaten ebenfalls keine erhöhte Sterblichkeit fand, ist man vorsichtiger. Dort soll demnächst unter dem Namen SAFE PAD CMS eine prospektive Langzeitstudie starten, an der neben den fünf in den USA aktiven Herstellern Paclitaxel-beschichteter Ballons auch die FDA beteiligt ist.

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Literatur
Freisinger E et al. Mortality after use of paclitaxel-based devices in peripheral arteries: a real-world safety analysis. Eur Heart J 2019; 8.10.2019; doi: 10.1093/eurheartj/ehz698

Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA), Pressemeldung vom 17. Oktober 2019

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